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"Gebt den Menschen ihre Rechte"
Ein außergewöhnliches Theaterstück an der Staatlichen Berufsschule III gegen Rechtsextremismus im Rahmen des diesjährigen Schwerpunktthemas Werteerziehung.
 
Menschenrechte gegen Gewalt, auf diese kurze Formel könnte man den Inhalt des Theaterstücks „Elly und Ingo“ des Regensburger ueTheaters bringen, das am Freitag in der Aula der Berufsschule III zur Aufführung kam. Initiiert wurde das Thema Rechtsextremismus von der Lehrerin Fr. Röder, vor- und nachbereitet von weiteren Lehrkräften der Berufsschule III, die durch die Vermittlung von Werten zum Schutz vor extremistischen Strömungen beitragen wollen. 
 
Im Theaterstück wurde Elly Maldaque, die berühmte Lehrerin aus Regensburg, deren Tod 1930 ganz Deutschland bewegte und Künstler wie Walter Mehring oder Ödön von Horváth zu Werken veranlasste, die Figur eines aktuellen Neonazis gegenübergestellt. Abwechselnd erzählen sie ihr Leben.
 
Beide haben zunächst sehr ähnliche Ausgangsbedingungen. Elly wird von einem tyrannischen Vater gequält und in der „Marterschule“ auf Gehorsam getrimmt. Auch Ingo kennt nur Schläge und leidet unter Ausgrenzung. Doch während sich Elly allmählich aus den Gewaltzusammenhängen befreit, den Weg des Menschenrechts und der Liebe einschlägt – „Gebt den Menschen ihre Rechte und sie werden alle gut sein“ schreibt sie 1928 in ihr Tagebuch –, versinkt Ingo immer tiefer in Hass und Gewalt.
 
In unregelmäßigen Abständen treten die Darsteller aus ihren Rollen und stellen aktuelle Bezüge her. Die wichtigste Frage: Hat die Gesellschaft aus Ellys Schicksal gelernt, welche von einer zunehmend rechtslastigeren Gesellschaft in den Tod gehetzt wurde?
 
Bewusst verzichtet die Gruppe auf Requisiten und Bühnenaufbau, nur die beiden Schauspieler Stefanie Boettger und Daniel Zimpel und ihre hervorragende darstellerische Leistung tragen das Geschehen. Boettger spielt nuanciert und mit großer Hingabe. Ellys Warmherzigkeit und ihre bestechende Intelligenz verkörpert Boettger geradezu ideal.
 
Fast schon beängstigend intensiv ist die Darstellung des Neonazis „Ingo“ durch Zimpel. Ob Ingo weint, lacht oder in unkontrollierte Wutausbrüche ausbricht, Zimpels Spiel geht unter die Haut.
 
Die große Authentizität der beiden Rollen resultiert nicht zuletzt aus der dokumentarischen Herangehensweise des Autors und Regisseurs Kurt Raster. Während die Figur Elly hauptsächlich aus dem überlieferten Tagebuch der Lehrerin gestaltet wurde, Elly sozusagen selbst spricht, ist auch „Ingo“ fast ausschließlich aus Aussagen von Neonazis und Neonazisaussteigern entwickelt worden. „In diesem Bereich darf man nichts erfinden, denn dafür ist das Thema zu ernst“, so der Autor.
 
Die über einhundert Berufsschülerinnen und -schüler aus den Bereichen Sozialpflege, Kinderpflege, Gartenbau und Landwirtschaft folgten dem Stück mit großer Anteilnahme. Der ursprünglich für die Diskussion mit Darstellern und Autor vorgesehene Zeitrahmen wurde weit überschritten. „Ist Neonazismus ein rein psychologisches Problem?“, „Wie kann eine Gesellschaft ohne Gewalt aufgebaut werden?“, „Gibt es Nazis eher auf dem Land oder in der Stadt?“ lauteten einige der Fragen. Auch die Eurokrise und ein drohender Rechtsrutsch waren Thema. Das ueTheater-Team zeigte sich hinterher sehr angetan von dem hohen Problembewusstsein und dem großen politischen Interesse der Schüler.
 
Die Schüler und Schülerinnen der Berufsschule III waren auf die Diskussion gut vorbereitet. Fr. Eckl, stellvertretende Schulleiterin, organisierte für Montag, den 18.07.11, Hr. Wolfgang Meyer, Mitarbeiter der Bayerischen Informationsstelle gegen Rechtsextremismus. Er hielt den ganzen Tag in den verschiedenen Klassen Vorträge zum Thema „Was sind Rechtsextremisten und woran erkenne ich sie?“, „Welche Symbole sind verboten?“. Er wies besonders auf die Gefahr des „köderns“ über Internetseiten – auch über Facebook – und über z.B. Musik-CDs im Schulhof hin. Im Gespräch mit den interessierten Berufsschüler und -schülerinnen wurde erarbeitet, was man dagegen tun kann. Von „Schau nicht weg“ bis zur ständigen Überprüfung der eigenen Einstellung im Alltag, sowie Information mit Hilfe des Theaterstücks „Elly und Ingo“. 
 
Die Erarbeitung von „Elly und Ingo“ wurde im Rahmen des Programms „Vielfalt tut gut“ des Bundesministeriums für Familie gefördert. Inzwischen wurde es über einhundert Mal an nahezu allen Schularten in ganz Bayern aufgeführt. Nähere Informationen unter: www.uetheater.de